Es ist kein Geheimnis: Die Projektarbeit beim Kunden ist vielseitig, fordert jedoch auch so einiges ab. Zwischen heißeren Projektphasen wünscht sich daher so manch einer die redlich verdiente Auszeit. Um diesem Wunsch nachzukommen, ermöglicht Senacor allen MitarbeiterInnen, sich im Rahmen eines Sabbaticals längere Zeit von der Arbeit freistellen zu lassen. Diese Möglichkeit wird auch rege genutzt, beispielsweise für Weiterbildungen, eine Promotion, private Projekte oder – wie im Falle von Barbara – um die Welt zu bereisen. Im Folgenden berichtet sie von ihrer Auszeit von September 2019 - Januar 2020 und der Reise quer durch Südamerika.

Lago Nahuel Huapi, Argentinien

Motivation

Für mich war bereits früh klar, dass ich die Möglichkeit eines Sabbaticals auf jeden Fall nutzen möchte. Es ist für mich einer der vielen spannenden Vorteile der Projektarbeit, dass man relativ einfach aussetzen und wieder einsteigen kann.
Ich wollte unbedingt reisen und habe mich auch früh auf Südamerika festgelegt. Für einen so großen und vielfältigen Kontinent mit dem Pazifik, den Anden, Stränden, Millionenstädten, der Wüste, dem Regenwald und Patagonien usw. ist vermutlich jede Zeitspanne, und mit Sicherheit jede normale Urlaubslänge, zu kurz.
Am Ende habe ich eine Auszeit von 5 Monaten genommen, sodass ich von Anfang September bis Ende Januar in Peru, Chile, Bolivien, Argentinien und zuletzt Kolumbien unterwegs war. Eines schon vorweg: Es war eine fantastische Zeit.

Manu Nationalpark, Peru

Vorbereitungen

Ich hatte etwa 1,5 Jahre als Consultant bei Senacor gearbeitet, als ich damit begann, die Planung zu konkretisieren. Erster Schritt in der Vorbereitung war im Sommer 2018 anzufangen Spanisch zu lernen. Das konnte ich leider noch gar nicht, schien aber essentiell für den Plan. Schließlich wollte ich mich auf meiner Reise auch unterhalten und verständigen können. Im Nachhinein bin ich überrascht wie gut ich mit recht begrenztem Vokabular und der Taktik „das lässt sich sicherlich mit Worten ausdrücken, die ich kenne - oder errate“ durchkam.
Senacor-seitig habe ich etwa ein Jahr im Voraus alles mit dem Partner auf meinem Projekt besprochen, der mich dabei sehr bestärkt und unterstützt hat. Ich habe mich für ein Ansparmodell entschieden, d.h. ich habe für 9 Monate auf einen Teil meines Gehalts verzichtet, der dann über die Monate ausgezahlt wurde, in denen ich nicht gearbeitet habe. Die vertragliche Regelung ging wirklich sehr unbürokratisch und unkompliziert – vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen im Backoffice!
Beim Kunden im Projekt habe ich meinen Weggang auch schon frühzeitig ca. 6 Monate vorher offiziell angekündigt, sodass sich alle darauf einstellen konnten. Es wurde dann trotzdem noch recht stressig gegen Ende, da ich bis auf einen einzelnen Urlaubstag direkt vor dem Abflug bis zum Ende gearbeitet habe und ziemlich eingespannt war. Nebenbei gibt es aber im Vorfeld extrem viele Kleinigkeiten zu organisieren und zu besorgen (Wohnung untervermieten, sich um Impfungen, Medikamente, erste Pläne für die Ankunft, Versicherungen und Kreditkarten kümmern, natürlich auch Familie und Freunde nochmal sehen, Wohnung ausräumen und für die Zwischenmiete vorbereiten, Sachen packen und noch viele andere Kleinigkeiten und Besorgungen). Ich war so beschäftigt, dass ich mich mental kaum auf die Zeit vorbereiten konnte, bis ich im Flugzeug saß.
Das würde ich im Nachhinein vermutlich versuchen, anders zu organisieren...

Erlebnisse

Es ist ein ganz anderes Gefühl mit viel Zeit, unglaublich viel Raum und Optionen und ohne wirklichen Plan zu reisen - gerade im Vergleich zum Arbeitsalltag, in dem es oft um verbindliche Planungen, Effizienz, Absprachen, präzise Beschreibungen, Zeitleisten und Deadlines geht.
Ich habe zu Beginn einige Tage gebraucht, mich dahingehend umzustellen und zurechtzufinden, aber spätestens mit Ankunft in den Anden (Huaraz, Peru) war Deutschland und der Arbeitsalltag vergessen und ich richtig angekommen in meinem Sabbatical. Die Berge, die Höhe, die unglaublich beeindruckende Landschaft, das Wandern, interessante, spontane Begegnungen, Märkte, … waren der perfekte Einstieg für diese Zeit.

Huayhuash, Peru

Nach meiner Rückkehr wurde mir immer wieder die Frage gestellt, was mir am besten gefallen hat. Das ist so gar nicht beantwortbar. Es bleiben ganz viele Einzelsituationen und Bilder, die ich sicherlich nicht vergessen werde: Von den unglaublich tollen Wanderungen in Peru in den Anden oder nach Choquequirao; im Boot mit kaputtem Motor bei Vollmond einen Fluss im Regenwald entlangtreiben ohne jede Kommunikationsmöglichkeit zur Zivilisation und mit beobachtbar, zunehmend nervöser Reisegruppe; Unruhen und Ausgangssperren bei Demonstrationen in Chile, Bolivien, Kolumbien; nach Wochen in der Natur Konzerte, Bars und die Großstadt in Buenos Aires genießen; fast alleine sein auf einer Hütte umringt von Gletschern, Schnee und Sternenhimmel; mich trotz allgemeinem Unverständnis und Sandsturm spontan in Rio Mayo (Argentinien) absetzen zu lassen (Lonely Planet: „2.800 menschliche Einwohner, 800.000 Schafe; dieses Dorf mitten im Nirgendwo hat für Reisende nur wenig zu bieten. die Hauptstadt des Schafscherens ist ein Inbegriff der Langeweile“), um dort zwar gleich zweimal vom Bus ignoriert zu werden und trotzdem irgendwie über die Grenze nach Chile zu kommen; Feiern und Entspannen in Kolumbien, mit dem Motorrad durch Bogotá fahren und so vieles mehr.

Cocora-Tal, Kolumbien

Wiedereinstieg

Ich hatte zwischen Rückkehr aus Kolumbien und Wiedereinstieg in den Job zwei Wochen Zeit geplant zum Wiedereingewöhnen und Zurückfinden. Es war sehr schön noch etwas Zeit zu haben, Freunde und Familie zu treffen, wieder in die Wohnung einzuziehen, noch ein paar Tage in London zu verbringen und mich an den Gedanken zu gewöhnen, wieder ein geregeltes Leben zu führen.

Vor meiner Abreise hatte ich bei Senacor Kontaktdaten hinterlassen, über die ich während der Reise erreichbar war, damit sie mich in die Entscheidung über das neue Projekt einbeziehen konnten. Ich wollte nicht gerne von einem beliebigen Einsatz überrascht werden.
So hatte ich aus Kolumbien schon E-Mail-Kontakt zu einem der Partner bezüglich des angedachten Einsatzes ab Mitte Februar. Für mich war das auch deshalb gut, weil ich mich so langsam eingewöhnen und anhand des konkreten Einsatzes auch Lust bekommen habe, die Arbeit wiederaufzunehmen.
Der Einstieg fiel mir im Endeffekt ziemlich leicht. Ich hatte das Glück, dass mein Projekt erst neu startete, d.h. ich wurde nicht direkt in eine „heiße Phase“ geworfen, sondern es ging erst einmal darum sich einzuarbeiten, die Mitarbeiter kennenzulernen und das Projekt zu konzipieren, was dann auch wieder Spaß gemacht hat.

Fazit

Ich bin mit vielen neuen Ideen und Plänen für den Alltag nach Deutschland zurückgekommen. Leider kam nach nur ein paar Wochen zuhause Corona hier an, was die Umsetzung dieser Pläne schwierig gemacht hat. Trotzdem bin ich extrem froh, dass ich das Sabbatical noch so problemlos und davon unberührt machen konnte und ich es nicht noch einmal aufgeschoben hatte.
Ich kann wirklich nur jedem Kollegen und jeder Kollegin, die Lust auf eine Auszeit haben, raten, die Chance einfach zu nutzen. Für mich war es eine einzigartige Zeit, in der jeder Tag unterschiedlich verlief (was für ein Kontrast auch zu den letzten Monaten mit Corona-Alltag…).
Südamerika war ein tolles Ziel. Ich habe dort Wunderschönes und Überraschendes gesehen und erlebt, habe gleichzeitig auch viele kleine Einblicke bekommen in die Lebensrealität verschiedener Menschen sowie die Umstände, Geschichte und Politik der Länder, die ich besucht habe. In dieser Kombination konnte ich für mich persönlich vieles mitnehmen, was auch zurück in Deutschland auf die ein oder andere Weise weiterwirkt und prägt.

Lauca Nationalpark, Chile