Innovation Lab "Bank in the cloud"

Im Rahmen unseres Innovation Labs, eine mehrwöchige Forschungstätigkeit, haben wir uns intensiv mit dem Open-Source-Kernbanksystem Apache Fineract und einem möglichen Betrieb in der Amazon-Cloud beschäftigt.

Für unsereins ist es heutzutage eine Selbstverständlichkeit zur Bank zu gehen, Geld abzuheben oder mit EC- bzw. Kreditkarte zu bezahlen. Dass es nicht überall auf der Welt so ist, hat man oftmals nicht im Blick. In Schwellenländern ist die Infrastruktur der Banken weitaus dünner: Nur jeder zweite Erwachsene besitzt ein Bankkonto, die Nutzungsquote liegt noch weit darunter. [1]

Weltweit gelten 2 Mrd. Menschen als „unbanked”. Weitere 2 Mrd. Menschen sind „underbanked”. Dies führt dazu, dass diese Menschen nicht am globalen Finanzmarkt teilhaben können.

Es ist erklärtes Ziel der Weltbank, allen Menschen den Zugang zum Finanzmarkt zu ermöglichen und dadurch die Armut zu bekämpfen. Dieses zugegebenermaßen sehr hochgesteckte Ziel wird von Kuelap Inc. unterstützt, die als Hauptcommiter das Open-Source-Kernbankensystem Apache Fineract vorantreiben.

Historie Mikrokredite und Mifos

Die Geschichte beginnt bereits 1976 als Mohammad Yunus einen Kredit von 42$ an 27 Frauen vergibt, um ihnen den Aufbau einer eigenen unabhängigen Existenz zu ermöglichen. Von diesem Kredit können die Menschen sich Saatgut kaufen, anbauen und ggf. weiterverkaufen.

1983 gründete Mohammad Yunus die Grameen Bank (übersetzt etwa „Dörfliche Bank”), ein Mikrokredit-Finanzinstitut. Im Jahr 1997 ist die Grameen Foundation entstanden, die ein Netzwerk und Dienstleistungen für Mikrokredite in Schwellenländern bietet.

Für seine Bemühungen um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten erhält Yunus 2006 den Friedensnobelpreis. Begründung:

"Dauerhafter Frieden kann nur erreicht werden, wenn große Bevölkerungsgruppen Wege finden, um aus der Armut auszubrechen. Mikrokredite sind ein Mittel davon".

Die Kosten zur Verwaltung der Kredite ist allerdings sehr hoch und beträgt in Schwellenländern etwa 75-130$ pro Person pro Jahr. Durch Digitalisierung könnten diese Kosten laut einer McKinsey-Studie bis zu 90% gesenkt werden. [^1]

Der Grundstein dazu ist 2011 durch die Gründung der Mifos Initiative gelegt worden. Die Initiative bietet eine Platform zur Vereinheitlichung der finanziellen Dienstleistungen. Zustätzlich pflegt sie eine Community, die die Vision von Mifos weiterträgt und ausbaut.

Zwei Jahre später ist die Anwendung Mifos X fertig gestellt worden. Eine vollständige Kernbanklösung, die bereits in einer Cloud hätte betrieben werden können. Dieses Open Source System kann von jedem genutzt, angepasst und betrieben werden.

Apache Fineract

2015 ist Mifos X an die Apache Software Foundation übergeben worden, weswegen das Kernbankensystem nun unter dem Namen Apache Fineract in der Version 1.0 firmiert. 2016 unterstützt Apache Fineract bereits 62 Partner in 37 Ländern und bedient 6 Millionen Menschen.

Dieses Jahr ist aus der Mifos Initiative das Unternehmen Kuelap Inc. [^2] gegründet worden. Kuelap ist ein wesentlicher Committer von Apache Fineract (Mifos X) und entwickelt bereits an Mifos I/O [^3], welches einen modernisierten technologischen Anwendungskern im Vergleich zu Mifos X besitzt.

Kuelap betreibt kommerzielle Vorhaben auf Mifos I/O, z.B. das Projekt „Connected Carribean”. Kuelap implementiert gerade in einem Testpilot die Plattform mit dem Ziel, Finanzinstitute in 16 Länder in der Karibik miteinander zu vernetzen und dort einen gemeinsamen Standard von finanziellen Dienstleistungen zu schaffen.

Sobald die Testphase überstanden ist, wird Mifos I/O als Meilenstein für Apache Fineract CN (Cloud Native) vorgeschlagen und ggf. überführt.

Mifos I/O im Innovation Lab

Im Innovation Lab haben wir uns Mifos I/O im Detail angeschaut und zwei zentrale Fragestellungen bearbeitet:

  1. Welche fachlichen Services bietet das Produkt aktuell?
  2. Wie lässt es sich auf AWS betreiben?

Fachliche Services

Folgende fachliche Services und Funktionen sind für Mifos I/O geplant.

Betrieb auf AWS

Um die zweite Frage zu beantworten, müssen wir einen genaueren Blick auf die technologischen Aspekte der Anwendung werfen.

Mifos I/O basiert technologisch auf einer Event-Driven-Microservice-Architektur, die mit Spring-Boot aufgesetzt ist.

Im Repository existiert ebenfalls eine Referenzimplementierung für eine Benutzeroberfläche. Die Benutzeroberfläche ist mit Angular realisiert, wobei immer darauf geachtet wird, dass die App möglichst wenig Speicherplatz verbraucht. Der Hintergrund ist, dass die App auch in Gegend nutzbar sein soll, wo die mobile Bandbreite niedrig ist.

Durch die Entkopplung über Events und Microservices lassen sich die Services unabhängig voneinander skalieren und deployen. Zusätzlich gibt es noch unterstützende Services wie Discovery und Config, die sich um die Verteilung von Konfiguration und das "Auffinden" von fachlichen Microservices in der Cloud kümmert.

Wir haben uns entschieden diese Services in einzelne Docker-Container zu verpacken und in der Cloud auszuführen.

Wie das genau mit AWS funktioniert, werden wir in einer Blog-Post-Reihe detailliert mit allen Herausforderungen und Feinheiten erörtern. Unser Hauptaugenmerk für den Betrieb von Fineract lag auf AWS. Aus diesem Grund haben wir uns umfangreicher mit den AWS Services AWS EC2 Container Service, AWS EC2, AWS Route53 und AWS API Gateway beschäftigt.

Im nächsten Blogpost werden wir uns näher mit der Architektur von Mifos I/O beschäftigen und wie wir Docker auf AWS ECS nutzen können.

Stay tuned und bis zum nächsten Mal!

Blog-Reihe

Quellen


  1. https://github.com/mifosio ↩︎