Devoxx UK 2019 - TL;DR: Zwei Tage voller spannender Menschen

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Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mehr an der Developer Community teilzunehmen. Neben dem Austausch über unsere Slack-Channels und eben auch diesem Blog gehört dazu auch der Besuch einer Entwicklerkonferenz - und mit freundlicher Unterstützung von Senacor bin ich bei der Devoxx UK in London gelandet! Auch wenn ich die Großartigkeit der Speaker nicht in ihrer Fülle widergeben kann, versuche ich euch doch ein paar TL;DR der besten Talks mitzugeben!


Konferenztag 1

Die Devoxx UK findet im Business Design Center in Angel, London statt. Dieses Jahr wurden wir in der Eingangshalle von einem DeLorean begrüßt, dem ikonischen Auto aus Back to the Future! - Ist Zeitreise etwa ein neues Feature von Java 13?! 😁 Ich hätte Oracle auch direkt fragen können, da es - wie viele andere Unternehmen - einen Stand aufgebaut hatte. Sogar Estland als Land war mit einem Stand vertreten (das anscheinend seinen Verwaltungsapparat 100% digitalisiert hat!?). Nachdem ich mir dann geduldig von allen ihre Unternehmenskultur erzählen lassen habe - im Austausch für Socken und T-Shirts natürlich - ging es sofort in die Konferenzräume.

Andrew Tarwin's Auftakt und wie man seine eigene Arbeitsumgebung aufwertet TedTalk (Devoxx-Video nicht verfügbar)

Die Opening Keynote gehörte Andrew Tarwin und zeigte direkt, dass diese Konferenz nicht nur eine Ansammlung von trendigen Sprachen oder technischen Tücken ist, sondern auch eine Diskussionsplattform dafür ist, wie wir zusammen arbeiten (sollten). Und Tarwin's Antwort ist: mit mehr Humor! Humor macht langweilige Aufgaben erträglich (E-Mails), Präsentationen erinnerungswert oder kann kritische Situationen entschärfen (Pull-Request-Kommentare). Wenn man seine MAP (Medium - Audience - Purpose) kennt, kann Humor einiges einfacher machen und selbst E-Mails in eine erfrischende Abwechslung verwandeln! 😉

Trisha Gee’s IntelliJ IDEA Shortcut-Stakkato - Video

Dies ist der Talk, auf den ich gewartet habe! Ich bin ja total der IntelliJ Idea Fanboy and niemand anders als Trisha Gee von JetBrains beehrte uns mit ihren Zaubertricks, die Idea Shortcuts sind. Wusstet ihr das diese IDE eine Zeitmaschine ist? Drop frame und reist in die Vergangenheit, wenn ihr beim Debuggen zu weit gegangen seid. Oder nutzt Inject Language, um JSON, SQL, or RegEx lesbarer zu machen. Cmd + Shift + Up? Cmd + N? Alt + Enter? Nie wieder werde ich meine Maus benutzen! 😄

David Gageot’s Waffen für Continuous Delivery - Video

Leider habe ich bisher noch nicht viel mit Containervirtualisierung arbeiten dürfen, aber Gageot hat die verschiedenen Google-Tools, um uns das Leben damit einfacher zu machen, und dies auch für einen Laien anschaulich erklärt! Während der kurzen Zeit, in der ich mit Docker rumgespielt habe, konnte ich mir nicht ausmalen, was für ein Theater es ist, den Code mit langsamen Docker Builds, unzähligen Konfigurationsdateien und speicherintensiven Images zu debuggen. Daher präsentiert uns Gageot Kubernetes, Kaniko, Jib und viele andere hilfreiche Tools.

Peter Godfrey’s Survival Guide für Apache Kafka - Video

Auf unserem derzeitigen Projekt haben wir kürzlich angefangen, Kafka zu nutzen. Daher war ich bereit, einige handfeste Tricks mit nach Hause zu nehmen. Godfrey hat darauf hingewiesen, dass diese Framework - obwohl sie für geringe Latenzzeiten und Ausfallsicherheit gemacht wurde - nicht sonderlich durable ist. Jedenfalls nicht per Default. Daher wühlte er in ein paar Konfigurationen herum, die uns genau das geben: Der Parameter retries zum Beispiel, der per Default auf 0 gesetzt ist. Exception Handling, Versionierung und Monitoring eures Topics sind auch Dinge, über die man sich mal Gedanken machen kann. Ein praktischer Talk!


So rockig die Devoxx klingt, es ist kein Rock Festival

Netzwerken ist das A und O, sagen sie alle! Und normalerweise habe ich keine Hemmungen neue Leute in der Öffentlichkeit anzusprechen. Schließlich sind Musikfestivals einer meiner Lieblingsplätze, um neue Freunde zu finden. Aber eine Entwicklerkonferenz ist doch ein wenig anders. Auch wenn die Konferenz-Talks ähnlich in Zeitfenster eingeteilt wird - sie sind dichter aneinandergereiht. Daher gibt es kaum Raum für Wartezeit, kein Raum für lustige Aktionen, um sich die Zeit zu vertreiben. Nachdem ein "Developer Gig" zu Ende ist, sprinte ich schon zur nächsten Session, nur um den nächsten Speaker leise zu bewundern.

Also wie machen es die Leute? Sie nehmen sich die Zeit! Manchen fällt es einfach: Sie stellen sich einfach vor. Aber auch das gestaltet sich für einige schwierig. Manchmal schaue ich nach Aufhängern - zum Beispiel irgendein Merchandise und frage, wo sie das her haben. Oder einfach nach dem einen Ausstellungsstand fragen, der Eis umsonst verteilt! Alles, was ein Gespräch kickstarten könnte. Ich habe irgendwann angefangen, für eine Stunde nicht in die Räume zu hetzen und einfach an den Ständen vorbeizubummeln. Um vielleicht aufzuschnappen, wo Leute als nächstes hingehen, und zu fragen, ob man mitkommen kann. Und 💥 - neue Leute! Bonus: Man schaut sich einen Talk an, den man vorher eventuell nicht auf dem Schirm hatte!

Und am Ende des ersten Tages steht noch das netzwerkigste aller Events an: die DevRoxx Party!

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Konferenztag 2

Bert Jan Schrijver’s nimmt DevOps auseinander

Ihr fragt euch sicherlich auch manchmal, was DevOps ist. Ist es der Typ, der die Jenkins-Plugins für euch installiert und konfiguriert? Schrijver's Vorschlag ist, dass DevOps eine Kultur ist: Eine, in der die Pflege und Verantwortung für die Pipelines für Building, Testing und Deploying bei dem gesamten Team liegen.

Siren Hofvander’s Kampf für eine sichere Welt - Video

Von Opening Keynote zur Schluss-Keynote: Hofvander hatte ihren Flug am Vortrag verpasst, sodass sie eine der letzten Stimmen der Konferenz wurde. Als starke Storytellerin zeigt sie entlang der (unglückseligen) Dekonstruktion der Titanic, dass selbst die größten Gehirne in Engineering, Testing und Design nicht immun gegen Tragödien in Produktion sind. Dies gilt als ihre Motivation, auf all die Projekte und Menschen einzureden, um Security zum Mainstream zu machen. Damit wir alle wachsam nach dem nächsten Eisberg Ausschau halten!

Heather Wilde’s Prophylaxe für die moderne Pest namens Burnout - Video

Jeden Tag haben wir all die spannenden Rätsel auf unseren Schreibtischen - wer hat da Zeit für eine Pause? Während solch eine Konferenz oder die Jagd nach dem Bug im Code euch in eustress (stimulierender, guter Stress) versetzen kann, kann das alles auch schnell in distress (uns bekannter Stress-Stress) enden. Spätestens jetzt brauchen wir die Pause. Wilde identifiziert für uns die verschiedenen Zeichen eines schleichenden Burnouts und - viel wichtiger - wie wir ihn bei anderen erkennen können. Denn es ist einfacher, aus dem Loch Burnout zu klettern, wenn wir jemanden haben, der uns die Hand reicht!

Venkat Subramaniam’s spricht alle (Programmier-)Sprachen und kennt die Zukunft

Subramaniam ist ein Phänomen. Er redet schnell, aber man versteht jedes Wort. Er schreibt Code, der sich liest wie ein Roman. Und er kann in die Zukunft schauen! Doch in der Gegenwart zeigt er uns erst einmal, was man Cooles mit JVM Sprachen machen kann. Egal ob Auto Casting in Kotlin, Erstellung von XML in Groovy oder Lazy Evaluation in Scala. Subramaniam gleitet elegant durch die Zeilen und verführt mich dazu, tiefer in diese Sprachen einzutauchen - wie er sagt - "nicht um sie zu benutzen, aber damit wir besser auf Veränderung reagieren können". Und was ist nun seine Prophezeihung für die Zukunft unseres Metiers? Schaut selbst!


Don't wait for the future, it is already here

Nach zwei Tagen, in denen ich der schwammigste Aufsauger des Wissens war, fühlte ich mich durchweg inspiriert. Inspiriert von der Energie der Speaker und der Möglichkeiten, die sich uns eröffnen. Es war nicht ausschließlich ein Promo-Event für die neusten Tools und coolsten Designs, sondern auch eine Roadmap mit all den Gefahren und Unsägbarkeiten, die vor uns liegen. Der menschliche Faktor blieb nie zurück. Dennoch benötige ich wohl noch einige ruhige Momente, um mir all die Talks nochmal anschauen; um alles selbst einmal auszuprobieren. Insgesamt war es sehr anregend, den Projektalltag hinter sich zu lassen, und neuen Ideen und anderen Erfahrungen zuzuhören.

Letztendlich kann ich mich glücklich schätzen, so viele gesprächige und neugierige Menschen getroffen haben zu dürfen, die verschiedenste Dinge und Technologien in verschiedensten Firmen in der Welt umsetzen. Jeder hatte eine Geschichte zu erzählen. Man ist auseinander gegangen und hat sich doch wieder gesehen; als bekannte Gesichter ziehen sie an einem vorbei, sodass die Konferenz sich wirklich wie ein community-driven Event (mit einer event-driven Community 😉) anfühlte. Es gab immer die Chance, Nummern auszutauschen. Und mit sozialen Netzwerken ist es ja eine Leichtigkeit in Kontakt zu bleiben. Wie es schließlich so schön heißt: Man trifft sich immer zweimal im Leben.

Von daher: Bis zum nächsten Mal, Devoxx!